Thursday, November 10, 2011

Von Hello Kitty, Hosenmode und Wasserflaschen

Heute habe ich unter anderem einen Artikel im Zeitmagazin gelesen, der mich sehr fasziniert hat. Der Artikel beschäftigt sich leicht spöttisch mit den Eltern, die sich über die Hello Kitty-Begeisterung der Kinder aufregen, und es sinnvoller finden, Waldorfpuppen zu schenken.
Hello Kitty basiert nämlich auf der gleichen pädagogischen Idee: Der fehlende Mund der Puppen gibt den Kindern kein Gefühl vor. So können sie in die Puppe ihr eigenes momentanes Gefühl hineinprojizieren. "Ist das Kind froh, ist Hello Kitty auch froh. Ist das Kind traurig – same same." (Tanja Stelzer, Zeitmagazin Nr 45/2011, S. 21).
Hello Kitty wurde 1974 von der Zeichnerin Yuko Shimizu erfunden, und zwar also mit weit mehr pädagogischen Hintergedanken, als ich dachte.
Irgendwie hatte ich das gleiche staunende Gefühl, als ich diesen Artikel las, wie damals, als ich ein Interview mit Vivienne Westwood sah. Sie erklärte dort, wie sie auf die Idee mit den Hosen kam, die den Jungs bis in die Kniekehle hinab hängen: Hosen aus dem Mittelalter hätten sie zu dieser Mode inspiriert. Was viele ältere Menschen an Windelhosen erinnerte, war ein Anklang (= eine Reminiszenz) an ein Stadium in der Geschichte der Kleidung...
Wer sich in diesem Zusammenhang also, wie es vorkam und vorkommt, einfach aufregte über ein vorgebliches Kindlich-Werden der Gesellschaft (= "Infantilisierung der Gesellschaft"), und alles Mögliche da hineinwirft, greift oft zu kurz.
Ich hörte, wie sich Professoren aufregten über die Wasserflaschen, die immer öfter vor den Studenten stünden. "Nuckelflaschen" sagten sie verächtlich ( – und nur aus Trotz ließ ich da die Wasserflasche vor mir selbst nicht verschwinden). Auch wieder typisch für die Infantilisierung der Gesellschaft, sagten sie. Ich war mir immer ziemlich sicher, dass diese Trinkflaschen mit der praktischen Drehöffnung die meisten nicht an ihr Babyfläschchen erinnerten, sondern eher an Hochleistungssportler wie Radrennfahrer, die mitten in der Fahrt Flüssigkeit brauchen. Ich war mir irgendwie immer sehr sicher darin. Und bin es nun mehr denn je.

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